Teilgebiete

des Naturschutzgroßprojektes Thüringer Kuppenrhön

Teilgebiet 1 Grünes Band

„GRENZENLOS VERBUNDEN“

Ein insgesamt 112 km langer Abschnitt des Grünen Bandes ist verbindendes Element der Gebietskulisse des Naturschutzgroßprojektes. Die Bezeichnung „Grünes Band“ ist nach gut 30 Jahren der Wiedervereinigung Deutschlands im Sprachgebrauch vieler Menschen im Zusammenhang mit der ehemaligen innerdeutschen Grenze angekommen. Aufgrund der Unzugänglichkeit einerseits und der Offenhaltung des sogenannten Schutzstreifens andererseits entstand eine Kette wertvoller Biotope als Rückzugsort und Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten.

Das Grüne Band ist der längste Biotopverbund Deutschlands. In Thüringen ist das Gebiet seit 2018 als „Nationales Naturmonument Grünes Band Thüringen“ (NNM) rechtlich geschützt. Träger des NNM ist die Stiftung Naturschutz Thüringen. Von bundesweiter Bedeutung 1 sind die Abschnitte „Komplex Ulsteraue bis Geisa“ (17 km) und „Kuppenrhön von Geismar bis zum Staufelsberg“ (42 km).

Teilgebiet 2 Ulster

„GEWÄSSER AN DEN HÜLSENSTRÄUCHERN“

Im Keltischen bedeutet Ulster „springendes Wasser“. Man geht lt. M. Bott aber davon aus, dass der Flussname Ulster aus dem Germanischen kommt, genau genommen ist es elbgermanisch (wahrscheinlich alemannisch). Hulstraffa – Hulstraha - Uster = GEWÄSSER AN DEN HÜLSENSTRÄUCHERN 2.

Ganz im Norden des Projektgebietes ist ein ca. 18 km langer Flussabschnitt der Ulster zwischen Pferdsdorf und Motzlar Teil des Naturschutzgroßprojektes. Die Ulster (Gewässer I. Ordnung) entspringt im osthessischen Landkreis Fulda in der Hohen Rhön und mündet nahe Philippsthal in die Werra. Sie ist ein 10 -15 m breiter Fluss im Mittelgebirgsvorland der Rhön. Im Projektgebiet mündet eine Vielzahl an kleineren Fließgewässern in die Ulster, zu erwähnen sind hier Mansbach, Taft, Bermbach, Bremenbach, Geisa, Kohlbach und Apfelbach. Die Ulster ist nahezu durchgehend von flutender Wasserpflanzen-Vegetation geprägt. Die Gewässerstruktur der Ulster ist anthropogen mäßig bis stark verändert 3. Dennoch wird die Ulster zu den naturbelassensten Flüssen Thüringens gezählt 4.

Die Bedeutung des Bereiches wird auch dadurch hervorgehoben, dass hier das FFH-Gebiet 5225-305 „Ulster“ (77) ausgewiesen wurde.

Teilgebiet 3 Standorfsberg-Bückenberg

„IM NORDEN DER RHÖNSCHOLLE“

Die namensgebenden Basaltkuppen auf ca. 380 m ü. NN – Bückenberg im Norden und Standorfsberg südlich davon – liegen nahe der hessischen Grenze bei Wenigentaft und sind durch das Tal der Taft voneinander getrennt. Die im Projektgebiet liegenden, zum Teil steilen Ost- bzw. Nordosthänge sind geologisch von Muschelkalk geprägt. Während die Oberhänge zumeist mit Buchenwäldern, darunter auch Orchideen-Kalk-Buchenwald bestockt sind, sind die Unterhänge durch ein Mosaik aus extensiv genutztem Offenland und Waldbiotopen geprägt. Das Offenland wird dabei mehrheitlich durch artenreiche Mähwiesen, stellenweise durch Kalk-Trocken- und Halbtrockenrasen (magere und trockene Standorte) und Wacholderheiden geprägt.

Die Bedeutung des Bereiches wird auch dadurch hervorgehoben, dass hier das FFH-Gebiet 5225-306 „Standorfsberg - Bückenberg“ (76) ausgewiesen wurde.

Teilgebiet 4 Rasdorfer Berg

„EIN ORT MIT GESCHICHTE“

Der Rasdorfer Berg liegt nahe der hessischen Grenze bei Geisa und ist mit gut 411 m ü. NN etwas höher als die sich nördlich anschließenden Basaltkuppen Standorfsberg und Bückenberg. Die bekannte Gedenkstätte Point Alpha befindet sich hier. Sie galt als „der heißeste Punkt im Kalten Krieg“ und war bis 1989 der wichtigste Beobachtungsstützpunkt der U.S. Army an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Er lag mitten im Zentrum der strategischen NATO-Verteidigungslinie Fulda-Gap, wo im Ernstfall ein Angriff der Truppen des Warschauer Paktes erwartet wurde. Hier standen sich die Vorposten von NATO und Warschauer Pakt Jahrzehnte Auge in Auge gegenüber 5.

In der Nachbarschaft des Rasdorfer Berges liegen weitere kuppige Erhebungen deren Oberhänge überwiegend bewaldet sind. Dominierend sind hier Kiefern- und Kiefernmischwälder, im Norden des Teilgebietes kommen Buchenwälder hinzu. Die Geländestruktur reicht hinab bis auf ca. 290 m ü. NN im Borscher Grund. Flachgründige Böden, zumeist auf Muschelkalk, sind für den Ackerbau nur bedingt geeignet und begründen hier das Vorkommen von artenreichen Mähwiesen und Kalk-Trocken- und Halbtrockenrasen zu etwa gleichen Anteilen. Eingestreute Wacholderheiden ergänzen das Bild.

Die Bedeutung des Bereiches wird auch dadurch hervorgehoben, dass hier das FFH-Gebiet 5225-308 „Rasdorfer Berg“ (83) ausgewiesen wurde.

Teilgebiet 5 Teufelsberg-Pietzelstein

„VULKANKERNE“

Die sich etwa 150 m über die Umgebung erhebenden Basaltkuppen des Gebietes – namentlich Teufelsberg, Schwabenkopf, Pietzelstein und Katzenstein – weisen moderat steile Hanglagen auf. Nur der Pietzelstein fällt mit seiner 8 m hohen Felswand steil nach Nordosten ab. Am Fuß dieser Basaltkuppen sind Quellmulden von kleinen, ostwärts fließenden Bächen zu finden 6.Die Oberhänge sind überwiegend bewaldet, wobei naturnahe Buchen- und Buchenmischwälder dominieren.

Rund um den im Norden gelegenen Teufelsberg ist der Anteil von Offenlandflächen gering.

Auf den Südhängen des Schwabenkopfs sowie rund um den Pietzelstein sind dagegen ausgedehnte, mehr oder weniger extensiv als Mähwiesen oder Rinderweiden genutzte Frischgrünlandflächen vorzufinden.

Die Bedeutung des Bereiches wird auch dadurch hervorgehoben, dass hier das FFH-Gebiet 5325-303 „Teufelsberg-Pietzelstein“ (84) ausgewiesen wurde.

Teilgebiet 6 Rößberg-Tannenberg-Seelesberg

„EIN KESSEL BUNTES“

Die stark reliefierte Basalthügellandschaft südlich der Ortschaft Ketten erstreckt sich über Höhen von 410 m bis 672 m ü. NN. Das Landschaftsbild wird durch die Basaltkuppen Kühl, Rößberg, Nüsterberg, Tannenberg und -küppel, Schaafsberg und Seelesberg bestimmt. Von den Ausläufern dieser Erhebungen streben einige kleine Quellbäche, die teils von üppigen Hochstaudenfluren begleitet werden, den überwiegend extensiv genutzten Talebenen entgegen.

Eine Besonderheit ist hier der Apfelbach, der einer Kalktuffquelle am Fuß des Tannenberges entspringt.

Prägend für den Charakter des Gebietes sind vor allem die arten- und blütenreichen sowie zum Teil sehr weitläufigen Frischgrünländer und Halbtrockenrasen. Sie sind vor allem in den Randlagen des Gebietes, an den Westhängen des Seelesberges, aber auch auf dem Plateau des Rößberges zu finden 7. Eine Besonderheit sind hier die extensiven Mähwiesen. Etwa zu gleichen Flächenanteilen wie Offenländer sind in diesem Teilgebiet Wälder, insbesondere Fichten(misch)wälder und naturnahe Buchenwälder zu finden. Daneben kommen am Kesselsgraben Auwaldreste vor.

Die Bedeutung des Bereiches wird auch dadurch hervorgehoben, dass hier das FFH-Gebiet 5325-304 „NSG Rößberg – NSG Tannenberg - Seelesberg“ (85) ausgewiesen wurde.

Teilgebiet 7 Kohlbachtal und Eckardshauck

„EIN TAL MIT GESCHICHTE“

Das Teilgebiet setzt sich aus dem Eckardshauck (kleinerer West-Teil) und Kohlbachtal (dem größeren Ost-Teil) zusammen. Der Eckardshauck umfasst den Westhang des Roßbergs um das Langenwindener Wasser und ist überwiegend mit Buchen bewaldet. Das Kohlbachtal – zwischen Roßberg, Kuhberg und Katzenstein – ist durch den namensgebenden gewundenen Bach mit Prall- und Gleithängen, Kolken, Kies- und Schotterbänken geprägt. Flache und plateauartige Kuppen aus Basaltdeckenresten umgeben das Tal. Fichten(misch)wälder, naturnahe Buchenwälder und kleinräumige Schlucht-/Hangmisch­wälder überwiegen hier leicht gegenüber den teilweise extensiv genutzten und beweideten Offenländern. Der im Luftbild von 1945 noch deutlich erkennbare, traditionsreiche Kohlbachshof (erste urkundliche Erwähnung 1418) wurde um 1960 wegen seiner Grenznähe zerstört 6 und ist nunmehr eine sogenannte Wüstung.

Die Bedeutung des Bereiches wird auch dadurch hervorgehoben, dass hier das FFH-Gebiet 5226-302 „Kuppige Rhön südwestlich Dermbach“ (86) ausgewiesen wurde.

Teilgebiet 8 Horbel-Hoflar-Birkenberg

„HEIMAT DES GOLDENEN SCHECKENFALTERS“

Das Teilgebiet wird landschaftlich von den Gipfeln der Basaltkuppen Horbel, Großer und Kleiner Hoflar sowie Birkenberg geprägt. Diese werden von überwiegend naturnahen Laubmischwäldern, aber auch von Fichtenforsten bestimmt. Dazwischen sind immer wieder ausgedehnte Offenlandbereiche zu finden. Hervorzuheben ist besonders der Feuchtwiesenkomplex der Klingser Aue im Norden und der recht große Anteil an extensiven Mähwiesen, die z. T. durch Rinder beweidet werden. Im Süden fließt auf gut zwei Kilometern Länge die Lotte durch das Gebiet.

Die Bedeutung des Bereiches wird auch dadurch hervorgehoben, dass hier das FFH-Gebiet 5326-301 „Horbel-Hoflar-Birkenberg“ (91) ausgewiesen wurde.

Teilgebiet 9 Weinberg-Staufelsberg

„RHÖNER WEINBAU ?“

Die etwa 2 km voneinander entfernten Erhebungen des Weinbergs (Norden) und des Staufelsbergs (Süden) prägen das Teilgebiet.

Der Weinberg hat seinen Namen möglicherweise von einer entsprechenden historischen Nutzung. Im Mittelalter war der Anbau von Wein bis weit nach Norddeutschland üblich.

Der markante südexponierte Steilhang des Weinbergs ist vor allem von gut miteinander verzahnten Trockenbiotopen geprägt. Insbesondere sind dies kalkschotterreiche mit Schafen beweidete Halbtrockenrasen und Wacholderheiden mit Requisiten wie Kalkfelsen und Schuttfluren. In den Randbereichen der Magerrasen zeugen beeindruckende Hutebuchen von einem ehemals deutlich offeneren Landschaftsbild durch die traditionelle Nutzung als Hutung.

Auch die Westhänge des Schäferbergs und die leicht terrassierten Osthänge des südlich vorgelagerten Staufelsbergs sind Bestandteile des Teilgebietes mit Kalk-Trockenrasen und extensiven Mähwiesen und bilden zusammen mit Gehölzlebensräumen ein wertvolles Mosaik.

Die Bedeutung des Bereiches wird auch dadurch hervorgehoben, dass hier das FFH-Gebiet 5326-301 „Horbel-Hoflar-Birkenberg“ (91) ausgewiesen wurde.

Teilgebiet 10 Hohe Rhön

„ELLENBOGEN AUFSTÜTZEN UND DIE AUSSICHT GENIESSEN“

Im Nordausläufer der Hohen Rhön – im Dreiländereck Thüringen, Hessen, Bayern – liegt eine Hochfläche mit flachen Senken und Kuppen. Rund um die Ortschaften Birx und Frankenheim befinden sich bemerkenswert großflächige extensive Mähwiesen. Viele Offenländer werden auch mit Rindern beweidet.

Die höchste Erhebung im Teilgebiet ist mit knapp 740 m ü. NN der Steufelsberg unweit des sogenannten Ellenbogens (mit 814 m ü. NN höchster Berg der thüringischen Rhön). Einzelne Lesesteinwälle und Basaltblockhalden stellen eine Besonderheit des Teilgebietes dar. Zudem treten insbesondere an den Mittel- und Unterhängen viele Quellen aus. Am Rhönkopf, im Umfeld des Baches Streu sind die Wälder zum Teil als Schlucht-/ Hangmischwälder ausgeprägt. Die weiteren großen Waldflächen entsprechen Buchen(misch)wäldern und kulturbestimmten Fichten- und Ahornwäldern.

Die Bedeutung des Bereiches wird auch dadurch hervorgehoben, dass hier das FFH-Gebiet 5426-320 „Hohe Rhön“ (97) ausgewiesen wurde.

Teilgebiet 11 Stedtlinger Moor

„WIE EIN WOLLGRASFLÖCKCHEN IM WIND“

Die Rhön weist nur wenige Hochmoore auf. Eines davon ist das Stedtlinger Moor. Das umliegende Teilgebiet wird durch eine fast ebene Fläche geprägt. Die zwei flachen, durch Auslaugung von Zechsteinsalzen eingebrochenen und floristisch ausgesprochen wertvollen Moor-Senken befinden sich im nordöstlichen Teil. Neben dem erwähnten Stedtlinger Moor ist dies der weitgehend verlandete Petersee. Früher soll teilweise Torf gestochen worden sein. Die Moore sind eingebettet in Birkenbruchwald und Waldkiefern-Moorwald, dem eine Schwingrasenzone mit verschiedenen Seggenrieden folgt. Frisch- bis Feuchtwiesen schließen sich in geringem Anteil an die beiden Kesselmoore an 6. Der weitaus überwiegende Bereich des Teilgebiets wird durch kulturbestimmte Fichten- und Kiefernwälder geprägt. Eingestreut sind Buchen- und Eichen(misch)wälder.

Die Bedeutung des Bereiches wird auch dadurch hervorgehoben, dass hier das FFH-Gebiet 5427-303 „NSG Bischofswaldung mit Stedtlinger Moor“ (105) ausgewiesen wurde.

1www.rhoen.info/lexikon/gewaesser/Ulster_10984956.html
2 SCHLUMPRECHT et al. 2006
3 Umweltbundesamt 2001
4 GÖRNER et al. 2016
5rasdorf.de/tourismus/sehenswuerdigkeiten/
6 WENZEL et al. 2012
7 FFH-Managementplan zum FFH-Gebiet 5325-304 „NSG Rößberg – NSG Tannenberg - Seelesberg“