Studierende aus Karlsruhe zu Besuch im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön

Nils-Jonas Telle erläutert den Zweck und die Funktion einer Horchbox. Fotos: Corinna Hoßfeld

Hier war körperlicher Einsatz gefragt beim Ausstechend der Stauden-Lupine.

In regelmäßigen Abständen besuchen Studierende des Karlsruher Instituts für Angewandte Geowissenschaften das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön. Anfang Juni 2026 war es wieder soweit.

Nils-Jonas Telle von der Thüringer Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön und Corinna Hoßfeld vom Naturschutzgroßprojekt Thüringer Kuppenrhön leiteten die Exkursion in und um die „Klingser Aue“ bei Empfertshausen.

Beginnend am ehemaligen Grenzturm bei Empfertshausen, wo kürzlich drei sogenannte Butzen als naturnahe Übernachtungsmöglichkeiten errichtet wurden, führte Herr Telle in die Thüringer Zonierung des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön sowie die damit verbundenen Regelungen der geltenden Verordnung ein. Anschließend erläuterte Frau Hoßfeld das Konzept eines Naturschutzgroßprojekts und zeigte auf, wie es zur Umsetzung eines solchen Projekts in der Thüringer Rhön kam.

Auf dem Kolonnenweg in Richtung Süden passierte die Gruppe eine von der Biosphärenreservatsverwaltung installierte Horchbox. Die dort aufgezeichneten akustischen Daten ermöglichen nahezu rund um die Uhr Einblicke in die Vogelwelt des Gebietes. Für das Naturschutzgroßprojekt sind diese Informationen von großem Wert, da sie Aufschluss darüber geben, welche Arten in einem Gebiet vorkommen. So können Pflegemaßnahmen gezielt an die vorkommenden Arten angepasst und beispielsweise Mahdtermine zum Schutz von Wiesenbrütern verschoben oder einzelne Bereiche von der Mahd ausgenommen werden.

Die als „Klingser Aue“ bekannte Fläche im FFH-Gebiet „NSG Horbel-Hoflar-Birkenberg“ liegt auf einem Hochplateau und umfasst ausgedehnte, zumeist frisch-feuchte, artenreiche Grünlandflächen. An deren Südgrenze schließt sich ein größtenteils brachliegender, von Weidengebüschen stark strukturierter Feuchtwiesenkomplex an. Dieser bildet den Lebensraum des Goldenen Scheckenfalters, der hier sein thüringenweit letztes Vorkommen der sogenannten feuchten Ausprägung besitzt. Seine Raupen sind auf den Gewöhnlichen Teufelsabbiss (Succisa pratensis) als Futterpflanze angewiesen. Frau Hoßfeld erläuterte die im Rahmen des Naturschutzgroßprojekts vorgesehenen Maßnahmen, mit denen der Bestand dieser gefährdeten Schmetterlingsart langfristig gesichert werden soll.

Ein weiteres zentrales Thema war die Stauden-Lupine (Lupinus polyphyllus). Die Stauden-Lupine breitet sich im gesamten Biosphärenreservat Rhön zunehmend aus und stellt auch im Projektgebiet des Naturschutzgroßprojekts eine große Herausforderung dar. Durch ihre starke Ausbreitung verdrängt sie die typischen Arten artenreicher Mähwiesen und mindert den Futterwert des Grünlands. Auch in der Klingser Aue tritt sie auf vielen Grünlandflächen bereits in Massenbeständen auf. Um ihre weitere Ausbreitung einzudämmen, wurden im Projektgebiet bereits erste Maßnahmen umgesetzt. Je nach Standort werden die Pflanzen gezielt ausgestochen oder die Flächen regelmäßig vor der Samenreife gemäht, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Südlich des Feuchtwiesenkomplexes gelangte die Gruppe schließlich zur Kernzone „Sauergehäu“, einer der am strengsten geschützten Bereiche des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön, in dem sich die Natur weitgehend ohne menschliche Eingriffe entwickeln soll. Die Kernzone am Grünen Band ist überwiegend von naturnahen Wäldern geprägt. Herr Telle erläuterte die Geschichte des Gebietes und vermittelte den Studierenden Wissenswertes über diesen besonderen Lebensraum. Nach dem Orkan Kyrill im Januar 2007 wurden weite Teile des Waldes durch Windwurf geprägt. Auf den entstandenen Freiflächen entwickelte sich anschließend nahezu ohne menschlichen Eingriff wieder neuer Wald und stellt damit ein eindrucksvolles Beispiel natürlicher Waldentwicklung dar.

Auf dem Rückweg zum Grenzturm bei Empfertshausen wartete schließlich noch eine praktische Aufgabe auf die Studierenden: Mit sogenannten Ampferstechern galt es, Stauden-Lupinen auszustechen. Die Aufgabe wurde mit großem Engagement gemeistert, sodass am Ende drei große Säcke mit Pflanzenmaterial gefüllt waren. Herzlichen Dank für diesen tatkräftigen Einsatz!

Mit spannenden Einblicken in die Auswirkungen des Klimawandels auf das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön rundete Herr Telle die Exkursion ab. So konnten die Studierenden mit vielen neuen Eindrücken und einem vertieften Verständnis der Rhöner Natur- und Kulturlandschaft ihre Weiterreise antreten.